Unter Verwendung der Erfahrungen aus der Mü10 und Mü13
konstruierte Egon Scheibe 1950 den Doppelsitzer Mü13E, der den
für seine Heimat bezeichnenden Namen "Bergfalke" erhielt.
An der statischen Durcharbeitung des musters war Prof. Kraus von der
Technischen Hochschule München maßgeblich beteiligt. Den
Prototyp erbaute die Segelfliegergruppe Jenbach in Tirol unter der
Leitung von Dr. Konschegg, der am 5. August 1951 den Erstflug in Innsbruck
im Windenschlepp durchführte. Beim Rhöntreffen 1951 an der
Wasserkuppe (D) war die Nachfrage derart groß, dass die Mü13E
anschließend bei Flugzeugbau Scheibe in Dachau am 15. November
1951 in Serie ging. In den Jahren des Wiederaufbaus des Segelfluges
in Deutschland wurden allein 1952 bis 1953 insgesammt etwa 170 dieser
Doppelsitzer gebaut. Mehr als die Hälfte wurden gegen alle Erwartungen
als Fertigmaschinen geliefert.
Beim "Bergfalken I" waren die Mittelanschlüsse für
Flügel und Rumpf zu kompliziert. Durch die Vereinfachung entstand
der "Bergfalke II" mit dem vorgepfeilten Flügel. Der
Prototyp flog im Frühjahr 1953. Durch weitere Verbesserungen
entstand 1955 der "Bergfalke II/55". Vom "Bergfalken
II" in seinen beiden Ausführungen wurden zwischen 1953 und
1963 etwa 300 Flugzeuge gefertigt.
1963 entstand der "Bergfale III", in dem die Erfahrungen
eines Jahrzehnts ihren Niederschlag fanden, Erfahrungen, die beim
Bau und Betrieb von einigen hundert Segelflugzeugen dieses Musters
gesammelt werden konnten.
Der "Bergfalke III" wird in erster Linie für Schulbetrieb
und Übungsflüge verwendet, wird aber auf Grund seiner guten
Flugleistungen auch erfolgreich für den Leistungsflug eingesetzt.
Die Flugeigenschaften sind so abgestimmt, dass ein Flugschüler
ohne Schwierigkeiten auf ein anderes Muster umsteigen kann.
Die Bauweise als Mitteldecker gewährleistet von beiden Sitzen
eine gute Sicht nach allen Seiten, was besonders für die Fluglehrer
sehr angenehm ist und die Flugsicherheit durch die ungehinderte Beobachtungsmöglichkeit
des Luftraums erheblich fördert.
Die Festigkeit entspricht der Beanspruchungsgruppe 2 der deutschen
Bauvorschriften; das Bruchlastvielfache ist 8.
Für den Zweck als Schulungsflugzeug wurde die gesamte Konstruktion
robust gebaut, so dass der "Bergfalke III" sehr gute Dauerbetriebseigenschaften
aufweist. Flügel und Leitwerk des "Bergfalken III"
sind aus Holz gebaut, der Rumpf ist ein stoffbespanntes Stahlrohrgerüst.
Der zweiteilige Flügel wird in der Rumpfmitte gekuppelt; er hat
einen Kastenholm mit Gurten aus Buchenschichtholz. Die Verleimung
erfolgt mit Aerodux-Kunstharzleim. Das Tragflügelprofil ist 14,5%
dick, es stammt aus der Mü-Reihe, die sich vor allem durch das
angenehme Verhalten im Langsamflug auszeichnet.
Die Bremsklappen aus Metall sind für Gleitwinkelsteuerung und
als Sturzflugbremse geeignet, aber nicht optimal. Die Querruder sind
aus Stahlrohr, stoffbespannt. Das Rumpfvorderteil ist mit einer Kunststoffschale
verkleidet. Die Haube ist aus Plexiglas, geht über beide Sitze
und ist seitlich klappbar. Das Fahrtgeräusch ist sehr gering,
so dass eine gute Verständigung möglich ist.
Der hintere Sitz liegt etwa im Schwerpunkt. Die Sitzräume sind
ausreichend dimensioniert, obwohl man hinten gut polstern muss.
Das Fahrwerk besteht aus einer Kufe, in der das Rad fest eingebaut
ist. Die Kufe ist gegen den Rumpf durch eine Schraubenfeder und eine
Druckgummipackung gefedert. Die Federund ist weich, was besonders
vom Fluglehrer als angenehm empfunden wird. Als Besonderheit hat der
Bergfalke der WMW ein 360° drehbares Spornrad, das nicht abmontiert
werden muss. Dieses, vom "Blanik" übernommene Rad erleichtert
den Umgang am Boden sehr.
Das Leitwerk ist gedämpft und das Höhenruder besitzt eine
Flettnertrimmung.Die Steuerung für Querruder und Höhenruder
erfolgt mit Stoßstangen; für das Seitenruder sind Seile
vorgesehen. Der hintere Knüppel ist herausnehmbar, die Pedale
verstellbar.
Bei der Konstruktion des "Bergfalken III" wurde Wert auf
schnelle und einfache Montage gelegt. Die beiden Tragflügel werden
auf vier rumpffeste Bolzen geschoben, der Holm in Rumpfmitte durch
einen Hauptbolzen gekoppelt. Der Bremsklappenantrieb wird dabei automatisch
angeschlossen. Das Höhenleitwerk passt auf drei feste Bolzen
und wird durch eine Flügelmutter am Rumpf festgehalten.
Von den drei Bergfalken-Typen wurden über 500 Stück gebaut.
Am 15. Jänner 1970 erflogen Otto Winter und Guido Achleitner
auf dem "Bergfalken III" über Zell am See mit 8360
Meter einen neuen absoluten Höhenrekord (von Deutschland) in
der Klasse der Doppelsitzer.
Seit dem Frühjahr 1969 baute Scheibe eine Ausführung des
Bergfalken mit 17,2 m Spannweite und Wortmann-Laminarprofil als "Bergfalken
IV", mit einer Gleitzahl von ca. 1:33 und guten Schnellflugleistungen
für ausgesprochene Leistungsflüge.
Text aus "Die berühmtesten Segelflugzeuge" von Georg
Brütting mit freundlicher Genehmigung des "Motor
Buch Verlages"
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