Nachdem immer mehr Vereine ihren Flugzeugpark auf Flugzeuge in GFK-Bauweise
umgestellt haben und weiterhin umstellen, ist es eine selbstverständliche
pädagogische Forderung, dass sich auch die fliegerische Ausbildung
den neuen Flugzeugen anpasst. Somit war es folgerichtig, den passenden
GFK-Doppelsitzer zu entwickeln, der sich durch die selben Flugeigenschaften
auszeichnet und damit eine Segelflugausbildung ohne Zwischenschritte
ermöglicht. Dadurch kann die Schulmethode wieder zu dem System
Schulflüge mit dem Doppelsitzer, Alleinflüge auf dem Einsitzer
zurückkehren. Der Schüler wird auch in der neuen Flugzeug-Ära
keine Probleme mit dem Wechsel der Flugzeugtypen haben, da für
ihn der Unterschied erst hinter seiner Rückenlehne beginnt.
Von diesem Gedanken ließ sich Grob leiten, als er in seiner
Astir-Familie auch an die Konstruktion von Doppelsitzern ging.
Der erste "Twin Astir" wurde Silvester 1976 eingeflogen,
die Serie begann Mitte 1977. Gleichzeitig entstand mit dem "Twin-Trainer"
eine vereinfachte Version mit starrem, gefedertem Fahrwerk. Der Doppelsitzer
"Twin Astir" stand 1978 an der Spitze aller Neuzulassungen
in der Bundesrepublik Deutschland. Die Serie wurde Anfang 1980 nach
291 Flugzeugen zugunsten der "G103 Twin II" eingestellt.
In dieser Neukonstruktion hat Grob alle Erfahrungen aus dieser Großserie
und auch die Wünsche der Vereine und Fluglehrer berücksichtigt.
Der Erstflug erfolgte im März 1980, die Serienfertigung lief
im Juli an und zur Jahreswende hatten bereits 81 neue Doppelsitzer
das Werk in Mindelheim verlassen.
Grundvoraussetzung für den neuen Doppelsitzer "G103 Twin
II" war die aerodynamische und optische Neuüberarbeitung
des Rumpfes. Grob ist dabei den Anregungen vieler Fluglehrer gefolgt
und hat den Schwerpunkt der neuen Entwicklung auf die gute Handhabung
am Boden und die Neugestaltung des Cockpits gelegt. Durch die Einschnürrung
des Cockpits, den etwas schlankeren Rumpf und die damit erreichte
geringere Rumpfoberfläche glaubte Grob, den Nachteil des festen
Fahrwerkes und des Bugrades ausgleichen zu können.
Im Cockpit wurden die beiden Sitze absolut gleich gestaltet. So bietet
jetzt auch der hintere Sitz den gleichen Sitzkomfort und die Pedalverstellmöglichkeit
wie der bisher anerkannt gute vordere Sitz der "Twin Astir".
Neben der neuen angenehmen Sitzhaltung konnte Grob zugleich durch
Herablegen der Haubenlinie um weitere 5 cm die Sichtverhältnisse
nochmals verbessern, so dass auch jetzt vom hinteren Sitz aus eine
panoramaähnliche Rundsicht gewährt wird. Die konsequente
Überarbeitung sämtlicher Bedienelemente und die großzügige
Auslegung der beiden Instrumentenpilze runden das Gesamtbild dieses
neuen Cockpits ab. Beide Sitze haben eine verstellbare Kopfstütze.
Der großzügige Ausbau des hinteren Sitzes bedingt die Versetzung
des Hauptfahrwerkes in den Leergewichtsschwerpunkt. Das Hauptfahrwerk
besitzt ein großvolumiges 6"-Rad mit hyldraulischer Scheibenbremse
und ist somit auch starken Unebenheiten gewachsen. Für das Bugrad
wurde ein ebenfalls recht großes Rad gewählt. Durch diese
Fahrwerksanordnung kann man durch leichten Druck auf die Flugzeugnase
das Leitwerk vom Boden abheben und so das Flugzeug gut am Boden rangieren.
Durch nochmalige Gewichtsoptimierung aller Flugzeugteile und nicht
zuletzt durch Wegfall der doch recht umfangreichen Fahrwerkskinematik
des Einzieh-Fahrwerkes konnte ein Leergewicht von 370 kg erreicht
werden. Das sehr groß ausgelegte Querruder ist in der neuen
integrierten Ruderbauweise hergestellt. Diese garantiert auch einen
möglichst kleinen Schlitz auf der Ruderunterseite, da das Ruder
mit der Fläche zusammen eingelegt wird. Die Lagerung sämtlicher
Schubstangen in Rollenbahnlagern haben die Knüppelkräfte
auf ein Minimum reduziert. Auch konnte durch die großen Querruder
die Rollwendigkeit der "G103 Twin II" nochmals verbessert
werden. Die bereits von der "Twin Astir" bekannten großen
Bremsklappen erleichtern selbst steile Anflüge auf kurzem Gelände.
Mit 900 ausgelieferten Einheiten im Frühjahr 1986 ist der "Grob
G103 Twin II" die erfolgreichste Kunststoff-Doppelsitzerkonstruktion.
Dieser Erfolg wurde mit der weiter verbesserten "Grob G103 Twin
III" weitergeführt. Der "Twin III" erhielt das
moderste Profil, das 1987 auf den Markt war und wurde mit einem lenkbaren
Bugrad ausgestattet. Außerdem bekam er ein überarbeitetes
Cockpit, das den heutigen Standards mehr als nur entspricht. Die beim
"Twin II" angebrachte Flettner-Trimmung wurde durch eine
Federtrimmung ersetzt.
Für die Acro-Version ist der Flügel verstärkt, sowie
das Rumpfgestänge. Ferner ist ein Fünfpunktgurt für
außergewönliche Fluglagen vorgesehen. Theoretisch ist mit
dem "Twin III Acro" jede Kunstflugfigur möglich (auch
Rückentrudeln - aber nur theoretisch), da mit +6,5 und -4,5 g
die Grenzen der Belastbarkeit weit gesteckt sind.
Mit dem Twin-Doppelsitzer schaffte der Amerikaner Tom Knauff entlang
der Appalachen schon am 28. September 1981 eine der ersten 1000-km-Strecken
im Segelflug, genau mit 1000,88 km.
Text aus "Die berühmtesten Segelflugzeuge" von Georg
Brütting mit freundlicher Genehmigung des "Motor
Buch Verlages"
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