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Seit 11 Jahren fahren eingefleischten Welser Segelflugpiloten nach Mauterndorf, wo sich der höchstgelegene Flugplatz Europas und ein optimaler Ausgangspunkt für Segelflüge befindet. Im Jahr 2006 war auch ich dabei und kam voll auf meine Kosten:

 

 

Dienstag, 11. Juli 2006
Thomas Radler und ich machten den Twin auf der Startbahn 07 in Mauterndorf am späten Vormittag startbereit, um das gute Segelflugwetter optimal auszunutzen. Nach dem eher heiklen Start (durch die hohe Lage, die große Hitze und dem fehlenden Wind bedingt) mit dem voll beladenen G103 Twin III schraubten wir uns schnell auf eine gute Ausgangshöhe von rund 3000 Metern über dem Meer. Als wir über dem bekannten Wintersportort Obertauern kreisten und bereits das Ennstal nur einen Katzensprung entfernt schien, trafen wir die Entscheidung, „etwas zu versuchen“: den bei den Welsern unter dem Namen „Pinzgauer Spaziergang“ bekannte 300 km-weite Streckenflug von Mauterndorf über Zell am See zum Gerlospass und – natürlich – wieder zurück.


Gesagt, getan. Wir flogen also mit rund 110 km/h in Richtung Schwarzach. Obwohl der G103 Twin nicht unbedingt „das“ Segelflugzeug für solche Unterfangen ist, blieben wir die erste Zeit immer auf Höhe der Wolkenbasis. Jedoch ab Zell am See wurden die thermischen Aufwinde immer schwächer, sodass wir westlich von Mittersill bereits in sehr geringer Höhe nach geeigneten Außenlade-Wiesen Ausschau hielten. Thomas behielt aber die Nerven und fand mit etwas Glück eine kleine Aufwindzone in der Nähe eines Südhanges, den er für ca. 30 Minuten mühsam auf und ab polierte. „300 Meter“ zuversichtlicher fanden wir dann wieder den Anschluss zur Wolkenbasis und führten nach diesem kleinen Schrecken unseren Weg Richtung Zillertal fort.

Da wir am Gerlospass in relativ großer Höhe ankamen, schossen wir nur ein Beweisbild und drehten um. Bereits wieder am Rückweg, über dem Gasteinertal, erhielten wir dann den besorgten Funkspruch unserer Kollegen, wo wir denn seien und dass sie bereits alle am Boden sitzen, da ein für diese Jahreszeit typisches Gewitter durchgezogen war. Über dem Tauern nutzten wir dann schließlich kleine Ausläufer dieses Unwetters aus und wuschen den Flieger noch ausgiebig (denn wen freut es nach 5,5 Stunden fliegen noch das Fluggerät zu waschen?!?) bevor wir in Mauterndorf bei trübem aber bereits wieder trockenen Wetterverhältnissen landeten.

 

   
   
   
   

 

 

Freitag, 14. Juli 2006
Reinhard Aumayr und ich hatten für diesen Tag große Pläne: beim vortägigen Grillfest setzte uns irgendjemand in den Kopf, wir müssen heute mit dem Twin zum Brennerpass fliegen. Diese Flause ließ uns dann nicht mehr los.
Bei etwas zwielichtigem Segelflugwetter starteten wir und waren auch gleich vom Schlepp an voll begeistert. Wir belächelten bereits nach kurzer Zeit die Kollegen aus 2500 Meter Höhe, die wegen der schlecht scheinenden Thermik noch am Boden blieben, verwarfen aber wegen der doch nicht optimal scheinenden Wetterbedingungen die Operation „Brenner“. Statt dessen hielten wir nun Kurs auf den Rotgulden See, den wir in ca. 3000 Meter Höhe erreichten. Von diesem Punkt an war jedoch unsere gute Laune etwas getrübt, das Variometer stand am unteren Rand der Scala an – und bewegte sich auch nie mehr nach oben. Nach größeren Mühen das sehr enge und für eine Außenlandung völlig ungeeignete Rotguldental zu verlassen, kamen wir in geringer Höhe beim Eingang des Katschbergtunnels an.
Um noch etwas Aufwind zu suchen, blieb uns keine Zeit mehr, also einigten wir uns sehr schnell auf ein geeignetes Feld für die Außenlandung. Das Adrenalin verdrängte schnell die Gedanken an die Schmach vor den Kollegen, denen wir ja mit großer Klappe ein Wendefoto vom Brenner versprochen hatten. Nach einem Bilderbuch-Anflug setzten wir mit gewollter Überfahrt und (stellte sich im Nachhinein heraus) Rückenwind auf der gemähten Wiese auf. Jedoch folgte nun etwas Unerwartetes; wir kamen abrupt zum Stillstand. Nachdem Aussteigen wurde uns auch klar warum: die Wiese war überschwemmt, ein richtiger Morast.

Damit begannen auch schon die Probleme. Der 400 kg schwere Flieger hatte sich eingegraben und ließ sich, auch nicht mit Hilfe der stehen gebliebenen Autofahrer, keinen Zentimeter mehr bewegen. Auch ein Befahren der Wiese mit dem Anhänger war völlig ausgeschlossen. Glücklicherweise kam uns ein Bauer mit Traktor zu Hilfe, der den Flieger dann an den Rand der Straße zog.
Im Großen und Ganzen ist so eine Außenlandung eine Sache, die auf jeden Fall vermieden werden sollte. In unserem Fall ist Gott sei Dank nichts passiert, weder uns noch dem Fluggerät, und können somit dieses unerwartete Abenteuer als „Erfahrung“ einstufen.


 

 

 

 

 

Video der Außenlandung, 696 Kbit/s, 3,8 MB

 

 

 


 

 

 

Aus"flüge": Segelfluglager Mauterndorf LOSM



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